Die
Gastgeberin 
der Rosenvilla

Sabine-Susanne Kauker

Ihr Leben hat annähernd soviel Risse wie ihr Haus. Und dennoch strahlen beide im Herzen Fröhlichkeit aus...

 ...sie ... steuert nun als Gesellschafterin den 1. Paretzer Salon in ihrer Rosenvilla Gloria. So elitär der Name ihres Unternehmens klingt, zeigt sich ihr Villen-Dasein längst nicht. Sabine Kauker ist zwar die liebenswerte und offenherzige Gastgeberin, die gern ihr Haus für Feste aller Couleur zur Verfügung stellt, sie ist aber zugleich auch Köchin, Mundschenk, Ausstatterin, Putzfrau…nach schmerzvollen Umwegen ist sie wieder Zuhause angekommen.

...Sabine Kauker ging zur Meisterschule für Kunsthandwerk nach Charlottenburg und studierte Angewandte Malerei. Im Sommer 1961 hatte sie die Vorprüfungen bestanden und genoss zu Hause die Ferien. Dann kam der 13. August und damit das Aus für ihr Studium. „Ich hätte zwar noch ohne große Schwierigkeiten in den Westen gehen können, aber mein Platz war in meinem Elternhaus.

...Dennoch wuchs der Revoluzzer in mir und begeistert half ich meinen Kommilitonen aus dem Osten, nach Westberlin zu gelangen. ...„Wir waren sehr blauäugig und völlig überrascht, uns nach dem Auffliegen unseres Unternehmens im Stasiknast in der Potsdamer Lindenstraße wiederzufinden. Die Untersuchungshaft war barbarisch...“ Verurteilt zu vier Jahren Zuchthaus, kam sie nach Hohenschönhausen. ...Amnestie zum 15. Jahrestag der DDR...

...auf Sabine Kauker wartete eine neue Liebe. Wieder war es ein Maler, ...Dann kam die Tochter, und ihr Haus in Berlin wurde zu eng. Als sie 1976 die fast 100-jährige Villa eines ehemaligen Ziegeleibesitzers in Paretz entdeckten, die bereits vier Jahre leer stand, war sofort klar: Das Haus oder keines. In ihren ersten Paretzer Jahren zogen die beiden Kaukers oft über Land, um Mosaike und Altäre zu restaurieren.

...In der Familie gab es einen tiefen Einbruch, der zur Trennung von ihrem Mann führte.  Doch über diese dunkle Zeit möchte Sabine Kauker nicht erzählen. Sie verließ Paretz.

...„Es begannen meine Lehr- und Wanderjahre, die sich über sieben Jahre hinziehen sollten.“ ...Lehrmeister war der Baukeramiker Christian Uhlig. Er formte nach ihren Entwürfen große Vasen, die sie bemalte. „Ich entwickelte die größte Leichtigkeit.“ Vier dieser mit floralem Dekor geschmückten Kostbarkeiten stehen heute auf ihrem Paretzer Kamin, ...
...Nicht nur die Arbeit machte Spaß, auch die Liebe schlug wieder zu. „Ich begann nach einem neuen Sinn des Lebens zu suchen.“ Und finden wollte sie ihn in Jamaika, der Heimat ihres Freundes,...

Schließlich stellte sie einen Ausreiseantrag nach Jamaika, der prompt abgelehnt wurde. „Voller Frust schrieb ich einen 17 Seiten langen Brief an das ZK der SED, .... Innerhalb von vier Wochen war ich draußen: ...Von Gießen ging es weiter nach Ostbayern ins Übergangslager ...Sabine Kauker ging nun nach Lindau am Bodensee und arbeitete dort in einer Keramikwerkstatt .... „Doch der Absatz war viel schwieriger als im Osten. ...Ein frustrierendes Unterfangen. Dann kam der Gerichtsvollzieher in die Lindauer Werkstatt und alles war weg.“ ...„Jeden Tag musste ich aufs Amt, um mir zehn Mark abzuholen. Es war entwürdigend. ...Ich wollte weg von Lindau, aus dieser Bilderbuchlandschaft, die nur für reiche Leute gut ist.“

...und immer öfter umkreiste sie ihr inzwischen wieder leerstehendes Haus in Paretz. ...ich weiß noch genau, wie ich nach Paretz raus fuhr und mir Tausende goldener Äpfel entgegenstrahlten. ...Ich stellte mich mit den Körben an die Straße und verkaufte, was ich konnte. Nachts trug ich Zeitungen aus. Und irgendwie hatte ich auf einmal wieder Geld. Eine Freundin in Zehlendorf überließ mir ihren Marktstand und fortan war ich die ,Havelbiene'. Mein Geschäftssinn war geweckt, meine Kräfte wuchsen....als sie nachts nach Paretz in ihr Haus zurück kehrte und bei leisem Regen unter der großen 180-jährigen Linde stand, wusste sie auf einmal sehr sicher: „Hier ist mein Platz. Das Haus hat sich für mich aufgehoben.“

aus dem Artikel „Das Haus hat sich für mich aufgehoben“
von Heidi Jäger in den "Potsdamer Neueste Nachrichten" vom 30.Juli 2003

 

 

 

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